Nase Goreng

Der gemeine Normmensch ist erwachsen, hat 1,8m² Hautfläche und nimmt 0,7 Bäder am Tag zu sich. Außerdem übt er eine sitzende Tätigkeit aus. Dabei verströmt er Geruch im Wert von einem Olf. Leider weiß ich nicht, ob das vor oder nach den knapp drei Viertele Bad so ist und welche Seife er dazu lutscht.

In der Wissenschaft und auch sonst sind Definitionen enorm wichtig. Bauherr und Maurer sollten sich schon darüber einig sein, wie lang ein Meter ist, und wer als Händler am Markt mit zweierlei Maß misst, der handelt sich nicht bloß viele Haller sondern auch Händel ein.

Wie genau man bei der Definition einer Maßeinheit vorgehen muss hängt ganz maßgeblich vom geplanten Verwendungszweck ab. Die Genauigkeit der Bestimmung des Meters über einen speziellen Metallstab Pariser Provenienz war für den Maurer mehr als ausreichend. Die Physik gab sich damit bloß bis 1960 zufrieden, und wenige Tage nachdem ich das Licht der Welt erblicken durfte legte man die Länge eines Meters auf „die Strecke, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1 / 299.792.458 Sekunde zurücklegt“ fest.

Eine solche Genauigkeit ist freilich nicht immer vonnöten. Die Einheit für Geruchsintensität allerdings an einem dreiviertelgebadeten, bewegungsarmen Hungerleider festzumachen grenzt dagegen an Idiotie. Nur ein Ingenieur und Hochschulprofessor kann eine derart durchschlagende Ingeniosität entwickeln. Nicht bloß, dass so ein Mensch – auch wenn er sich nur wenig bewegt – kaum konstant sein Odeur von sich gibt; die Intensität eines Geruchs ist – ebenso wie all seine anderen Merkmale – auch immer vom Riechenden abhängig.

Davon weiß auch Maria ein Liedchen zu singen, deren duftige Geschichte ich im gerade erschienen ‚Häuptling eigener Herd‘, Nr. 47(11), ‚Duft & Mief‘ erzähle. Ich bin ja ein bekennender Fan von Vincent Klink, der den ‚Häuptling‘ zusammen mit Wiglaf Droste herausgibt. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass ich gerade dort meine Duftmarke hinterlassen durfte. Echt dufte!

Dieser Beitrag wurde unter Erkenntnistheorie, Erzählung, Essen, Gedichtetes, Lektüre, Physik, Popkultur, Sprachphilosophie, Wissenschaftsphilosophie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Nase Goreng

  1. Simon schreibt:

    Danke für diesen wunderbaren Start in den Online-Sonntag! Wäre es irgendwie möglich, eine Kopie von deiner duftigen Geschichte zu bekommen?

    • philotue schreibt:

      Nur unter der Hand und im Verborgenen. Schließlich soll das Heft ja verkauft werden, und die anderen Beiträge sind eh noch viel schöner als meiner.

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