Wort des Tages: Enttäuschung

Ent|täu|schung, die

Vorgang der Aufklärung eines Missverständnisses oder Irrglaubens, der Beseitigung einer Täuschung.

Man wird oder ist von etwas oder jemandem enttäuscht. Das heißt: Man erkennt, dass der oder das Andere nicht der eigenen Erwartung, dem eigenen Bild von ihm entspricht. Dieses wird als Täuschung entlarvt. Obgleich diese Täuschung jene des Enttäuschten ist, projiziert dieser sie auf den oder dasjenige, von dem sein Trugbild handelt. Er begreift die Enttäuschung nicht als Positiv im Sinne eben jener Beseitigung einer Täuschung, sondern als Negativ im Sinne der zuvor gewesenen Täuschung, so, als wäre sie – die Täuschung – nicht ihm selbst, sondern allein dem Gegenstand der Täuschung zuzuschreiben. Der Enttäuschte versteht sich zuerst als Getäuschter, nicht von sich selbst, sondern vom Anderen, der Welt. Er meint Patiens, nicht Agens der Täuschung zu sein. Daher auch die Redeweise „Du hast mich enttäuscht“ statt „ich habe mich in dir getäuscht“. Die Begriffe des Enttäuscht- und Getäuscht-Seins werden vermengt, ebenso die des Enttäuscht-Seins und -Werdens, des Getäuscht-Werdens und -Seins.

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3 Antworten zu Wort des Tages: Enttäuschung

  1. Die Neonleuchte schreibt:

    Für eine positive Pädagogik der Ent-täuschung auch im Untergrund:
    http://neonleuchte.blogspot.com/2011/06/ent-tauschung.html

  2. Parvati schreibt:

    Das ist etwas verkürzt. Natürlich kann man auch vom Objekt der Enttäuschung auch aktiv getäuscht worden sein. Der Enttäuschte entdeckt dann nicht nur die eigene Täuschung über das Sein dieses Objekts sondern, wenn es eine Person ist, ggf. einen aktiven Täuschungsakt dieser Person.

    • philotue schreibt:

      Der Punkt, um den es mir hier geht, ist:
      Eine Täuschung ist immer ein Trugbild, das man selbst hat. Das gilt auch dann, wenn ein anderer aktiv zu täuschen versucht. Es geht nicht um Schuldzuschreibungen, sondern darum, dass man sich dieser eigenpsychischen Komponente von Täuschung und Enttäuschung bewusst wird.

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